KPU / HPU - Praxis Dr. Nicolai Schreck

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KPU / HPU

Erkrankungen A-Z
Was ist KPU (Kryptopyrrolurie)?

Zwischen 1960 und 1970 entdeckten Ärzte im Urin von schizoprenen Patienten, später auch bei verhaltensgestörten Kindern einen Stoff, der in der Normalbevölkerung deutlich seltener und in wesentlich geringerer Menge im Urin zu finden war. Der Stoff wurde wegen seines Färbeverhaltens zunächst Malvenfaktor genannt und 1969 chemisch als "Kryptopyrrol" identifiziert. Gleichzeitig fand der Arzt Carl C. Pfeiffer bei Menschen mit erhöhter Kryptopyrrolausscheidung auffallend niedrige Spiegel an Zink und Vit. B6. Inzwischen wurden die biochemischen Hintergründe der jetzt Kryptopyrrolurie genannte Störung wissenschaftlich aufgeklärt.
Das Kryptopyrrol wurde als Abbauprodukt aus dem sog. Hämstoffwechsel identifiziert.

Häm sind Eiweißgrundbausteine für viele wichtige Eiweiße im Körper. Sie werden z.B. für die Entgiftungstätigkeit der Leber, für die Blutbildung, für das Immunsystem, im Gehirn und an zahlreichen anderen Stellen im gesamten Stoffwechsel benötigt. Ihre Produktion findet in den Zellkraftwerken (sog. "Mitochondrien") jeder Zelle statt. Der Bauplan der Hämeiweiße liegt dabei auf eigenen Genen in den Mitochondrien. Werden Hämeiweiße wieder abgebaut, so erfolgt ihre Ausscheidung normalerweise über die Bindung an Gallensäuren mit dem Stuhl.

Die in den Mitochondrien liegenden Gene sind im Gegensatz zu den Genen in den Zellkernen sehr schlecht vor den Angriffen durch chemisch reaktionsfreudige Stoffe (sog. "freie Radikale") geschützt. Diese entstehen in unserem Organismus ständig haufenweise und werden durch körpereigene Schutzsysteme abgefangen. Übersteigt die Menge an freien Radikalen aber die Kapazität der Schutzsysteme oder mangelt es den Schutzsystemen an Mikronährstoffen (z.B. sog. Antioxidantien wie Selen, Glutathion, Vit.C u.v.a.) dann können freie Radikale bis in die Mitochondrien vordringen und dort die empfindlichen Gene verändern. Eine solche Veränderung der Mitochondriengene kann aber auch von der Mutter ererbt bereits von Geburt an vorliegen.
Durch einen beschädigten Bauplan auf den Mitochondriengenen kann zu Produktion von nicht funktionierenden (weil falsch aufgebauten) Hämeinweißen kommen. Diese fehlgestalteten Hämeiweiße kann der Organismus nicht mehr über den Darm sondern nur noch über die Niere ausscheiden. In der Niere aber verbinden sich die falschen Häms v.a. mit Vit.B- und Zinkmolekülen bevor sie über den Urin ausgeschieden werden. So kommt es bei der Ausscheidung von viel falschen Häms (=Kryptopyrrole) zu einem enormen Verlust an Zink, Vit.B6 und in geringerem Maße oft auch an Mangan und Chrom.

Während der Organismus die fehlproduzierten Häms noch kompensieren kann, so führt der Verlust großer Zink- und Vit.B6-Mängeln je nach Ausmaß schließlich zu zahlreichen gesundheitlichen Störungen.

Die Kryptopyrrolurie ist also zunächst eine Störung des sog. Hämssynthese durch einen Enzymdefekt in den Mitochondrien. Dieser kann angeboren genetisch bedingt oder durch oxidativen Streß bzw. mit Nährstoffen unterversorgte Antioxidationssysteme entstehen. Da sich diese Vorgänge in den Mitochondrien abspielen, zählt man die KPU auch zu den Erkrankungen der Zellkraftwerke, den sog. Mitochondriopathien.
Etwa 10% der europäischen Bevölkerung weisen diese enzymatische Störung auf. Unter normalen Lebensbedingungen und bei ausreichender Nährstoffversorgung ist dieser meist ausreichend kompensiert, so daß keine größeren gesundheitlichen Schäden auftreten.
Unter der zunehmend Einwirkung von Streßfaktoren auf die Mitochondrien und bei zunehmendem Mangel an Mikronährstoffen erlangt die Störung bei immer mehr Menschen durchaus gesundheitliche Relevanz. Symptome und Folgen der KPU entstehen dann hauptsächlich durch einen phasenweise starken Verlust an Zink und Vitamin B6. Entsprechend führt die Substitution dieser Mikronährstoffe auch zu einem Rückgang der Beschwerden. Die Substitution ist aber keine urächliche Behandlung der KPU!
Ist die KPU nun eine Krankheit oder nicht?

Das ist eine reine Frage der Definition. Während Mediziner Krankheit im Sinne z.B. von Robert F. Schmidt und Klaus Unsicker definieren:
„Als Krankheit wird das Vorliegen von Symptomen und/oder Befunden bezeichnet, die als Abweichung von einem physiologischen Gleichgewicht oder einer Regelgröße (Norm) interpretiert werden können und die auf definierte Ursachen innerer oder äußerer Schädigungen zurückgeführt werden können.“ – Aber: „Abweichungen von einem physiologischem Gleichgewicht, einer Regelgröße, einer Organfunktion oder einer Organstruktur sind oft schwer zu beurteilen, weil manche physiologische Regelgrößen eine beachtliche Streuung aufweisen.“ [Lehrbuch Vorklinik: Integrierte Darstellung in 4 Teilen Gebundenes Buch – 2003, Robert F. Schmidt (Autor), Klaus Unsicker (Autor)]
So sehen die Juristen der Gesetzlichen Krankenkassen den Krankheitsbegriff ganz anders:
„Objektiv fassbarer, regelwidriger, anomaler körperlicher oder geistiger Zustand, der die Notwendigkeit einer Heilbehandlung erfordert und zur Arbeitsunfähigkeit führen kann.“ [Definition im Versicherungsrecht der GKV]

Da Krankenkassen auch einen Mikronährstoffmangel nicht mit aller Konsequenz als zu behandelnden Krankheitszustand anerkennen, ist nicht davon auszugehen, daß die KPU je in den heiligen einzig rechtsverbindlichen Katalog der schulmedizinisch anerkannten Erkrankungen (ICD) aufgenommen wird.
Da die Interessen der sog. "Schulmedizin" heute fast ausschließlich von Pharmaindustrie und Krankenkassen vorgegeben werden, waren auch alle bisherigen Bemühungen um Anerkennung der KPU als Erkrankung  z.B. über Petitionen beim Gesundheitsministerium vergebens. Es fehlt der finanzielle Anreiz, da alle Behandlungsmaßnahmen, die bei einer KPU anzuwenden sind, keine hohen Gewinne bei den Leistungserbringern versprechen.

Für mich persönlich ist der Nachweis einer erhöhten Pyrrol-Ausscheidung der Beweis für das vorliegen einer Stoffwechselstörung und damit einer Krankheit. Inwieweit diese behandlungsbedürftig ist, hängt einzig von ihrem Ausmaß und der Beeinträchtigung des Erkrankten ab. So ist bei anderen Erkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck etc.) schon immer. Mit vielen Krankheiten kann man leben, wenn man sie erkennt, seinen Lebensstil danach richtet und bei Bedarf weiß, wie man sie behandelt.
Wie diagnostiziert man eine KPU?

Über einen Urintest läßt sich die vermehrte Ausscheidung der Pyrrole im Urin nachweisen. Ist der Test positiv (wird also eine bestimmte Menge der ausgeschiedenen Pyrrole überschritten) ist das Vorliegen einer KPU bewisen.
Ob die KPU vom Organismus noch kompensiert wird oder ob gesundheitliche Schäden drohen zeigt sich in einer Bestimmung von zumindest Zink, Mangan u. Vit. B6 in einer sog. Vollblutanalyse.
Ein Urintest alleine reicht daher nicht, um therapeutische Konsequenzen daraus zu ziehen.

Was ist beim Urintest zu beachten?
Da die Pyrrole bei der Mehrheit über die Erholungsphase des Nachtschlafs in den Urin ausgeschieden werden, sind sie im 1. Morgenurin am ehesten zu finden.
Deshalb mache ich zunächst einen Test im 1. Morgenurin. Ein falsch negatives Ergebnis kann aber durchaus dann zustande kommen, wenn man zu den sog. Tagausscheidern gehört, die auch in kurzen Ruhephasen den Tag über Pyrrole ausscheiden. Besteht trotz neg. Befund im 1. Morgenurin der V.a. auf KPU, z.B. da ein ausgeprägter Zink-, Mangan- u./o. B6-Mangel nachgewiesen wurde, so sollte der Urin über 24 Stunden gesammelt und daraus die Probe für's Labor entnommen werden.
Da sich Mitochondrien zum Glück sehr rasch auch immer mal wieder erholen können, kann es sein, das man trotz Vorliegen einer KPU in einer guten Kompensationsphase ist und am Morgen oder Tag der Messung keine signifikante Menge Pyrrole ausscheidet. In diesem Fall sollte der Test - v.a. die Vollblutmessung der Mikronährstoffe in einer "Streßphase" wiederholt werden.
Darüber hinaus gibt es große Grabenkämpfe zwischen den Labors um die Zuverlässigkeit ihrer Tests. Das Labor KEAC in den Niederlanden rühmt sich, den einzig wahren Test durchzuführen. Die aggressive und absolutistische Vermarktung mißfällt mir allerdings sehr. Die KEAC vermarktet "HPU-Kapseln", die man gleich da bestellen kann, wo es auch den Test gibt. Damit wird Menschen, die mit ihrer Erkrankung therapeutische Unterstützung bräuchten, suggeriert, mit ein paar Kapseln werde alles gut.
Ich halte die HPU-Tests anderer Labors als Anhalt u. Hinweis für genauso brauchbar (und v.a. billiger) und stütze die Diagnose lieber auf die vorliegenden Meängel und meine klinische Erfahrung mit der KPU.
Und was ist jetzt eine HPU?

Kryptopyrrole ist ein Überbegriff. Das Labor Keac mißt spezifisch eine besondere Form der Pyrrole, den 5-Hydroxy-Hämopyrrol-laktam-Zink-Chelat-Komplex. Wird dieser nachgewiesen, dann lautet die korrekte Bezeichnung Hämopyrrollaktamurie (HPU).
Werden auch andere Pyrrole gemessen, kann es auch zu falsch positiven Werten kommen, da diese auch durch vermehrte Einnahme von bestimmten Medikamenten, Nahrungs- und Genussmitteln entstehen können.
Deshalb sollten die Ergebnisse eines KPU-Tests nie allein Anlaß für irgendeine Art der Behandlung geben und gehören immer durch einen erfahrenen Therapeuten im Zusammenhang mit anderen Untersuchungen interpretiert!
Also wer einen pos. KPU-Test hat, der hat entweder eine Kryptopyrrolurie, die am ehesten auf einer HPU beruht - oder der Test war falsch positiv.
Wer einen positiven HPU-Test hat, der hat eine Hämopyrrollaktamurie und damit genauso eine KPU.
Sehr verwirrend. Deshalb bitte nicht selbst diagnostizieren und nur durch einen KPU-erfahrenen Therapeuten behandeln lassen!

gute Literatur zum Thema:

  • KPU, Kryptopyrrolurie - eine häufige, aber vergessene Stoffwechselstörung
    von Kyra Hoffmann (Autor), Sascha Kauffmann (Autor)
    Broschiert, 2015 -  z.B. für ca. 20,00€ bei

  • Stoffwechselstörung HPU
    von Dr. Tina Maria Ritter, Dr. Liutgard Baumeister-Jesch
    Taschenbuch, 2015 -  z.B. für ca. 17,99€ bei
letzte Aktualisierung: 19.11.2019
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